
In der EU muss Apple ja seit nicht allzu langer Zeit das „Sideloading“ (engl. für wörtl. „Seitenladen“, bedeutet „manuelles Installieren von Software ausserhalb offizieller App-Stores“) zulassen.
Die Idee ist ganz einfach: Wer in der EU lebt, soll die Möglichkeit haben, auf iPhone und iPad, alternative App-Stores zu installieren und dann darüber Apps zu installieren. Somit wäre Apples App-Store-Monopol endlich vorbei.
Naja, zumindest in der Theorie …
Wer einen alternativen App-Store betreiben will, muss dafür von Apple abgesegnet sein, und alle Apps in diesem alternativen App-Store müssen ebenfalls von Apple abgesegnet sein (im Sinne einer Kryptographischen Signatur). Apple argumentiert hier mit dem Punkt „Sicherheit“, was ich zumindest teilweise nachvollziehen kann. Das ist ähnlich wie auf dem Mac, wo die meisten Applikationen von Apple signiert und notarisiert werden, jedoch (schon immer) ausserhalb des App-Stores bezogen werden konnten (sogar ganz ohne Apple-Absegnung).
Ob das nun gut oder schlecht ist, sei erstmal dahingestellt.
Dass Apple noch immer absegnen muss (oder will) ist ein bekannter Kritikpunkt, weshalb ich den in diesem Artikel nicht weiter vertiefen will. Vielmehr möchte ich mich auf einen anderen Aspekt fokussieren:
Ich habe das ganze mal testen wollen und ein meiner Meinung nach signifikantes Problem gefunden.
Ich habe mir für den Test ein iPhone XS aus Deutschland besorgt. Das ist eines der ältesten Modelle, auf dem das zurzeit neueste Betriebssystem von Apple (iOS 18) weiterhin unterstützt ist. Ich habe die neueste Version von iOS (18.3.1) aufgespielt und es dann für die erstmalige Einrichtung gestartet.
Eine der ersten Fragen ist nach dem Land. Ich habe Deutschland gewählt – was auch korrekt war, da ich den Test tatsächlich in Deutschland durchgeführt habe, da Apples Richtlinien erwähnen, man müsse sich auch in dem Land aufhalten.
So … ich gehe also durch alle Fragen, richte das Gerät ein – bewusst ohne Apple-Konto – und deinstalliere dann alle vorinstallierten Apps soweit möglich.
Jetzt habe ich ein deutsches iPhone, welches auf Deutschland eingestellt ist und sich in Deutschland befindet und mit einem deutschen WLAN verbunden ist. Alle Standard-Apps sind deinstalliert, bis auf:
- Fotos
- Kamera
- App-Store
- Einstellungen
- Telefon
- iMessage
- Safari
Diese lassen sich nämlich nicht löschen.
Nun würde ich gerne Apps beziehen – da ich kein Apple Konto wünsche, geht das nicht über den offiziellen App-Store – also mache ich das, was ich als EU Bürgerin in der EU nun können sollte: Ich suche nach einem alternativen App-Store.
Ich treffe auf den bekannten AltStore – welcher sogar durch Apple abgesegnet ist und eine Version für die EU bereitstellt – also möchte ich den nun beziehen.
In der Theorie sollte ich jetzt einfach auf eine Taste „Download“ auf der offiziellen Webseite von AltStore tippen können und dann sollte ich den haben …
… geht aber nicht. Ich bekomme eine Meldung (auf Englisch), dass ich für die Installation von AltStore nicht qualifiziere: You are not eligible to install apps from «alstore.io».
Ich bekomme jedoch eine Taste für mehr Informationen, welche mich nach dem Antippen auf eine Apple-Webseite weiterleitet. Da finde ich auch heraus, was das Problem ist: Die Tatsache, dass ich EU-Bürgerin bin und das in der EU erworbene iPhone auch in der EU nutze, ist anscheinend egal, und entschieden wird ganz einfach daher, ob das Land des Apple-Kontos ein EU-Land ist.
Das Problem dahinter ist wie folgt: Mir wird weiterhin ein Apple-Konto aufgezwungen. Ohne Apple-Konto und Anmeldung im Apple App-Store kann ich auch keine alternativen App-Stores oder Apps installieren.
Die Alternative existiert also gar nicht. Apple hat weiterhin das Monopol.
Nun an meine Leser:innen: Falls Dich so etwas stört, teile diesen Artikel, um Bewusstsein zu schaffen. Ich persönlich finde, dass Apple hier definitiv noch zu weit geht.
Eine Antwort zu “Meinung: Apple muss EU-Sideloading nachbessern”
@nat@www.kagel.ch es ist schon traurig, was Apple hier tut. Ich unterstelle Mal Malicious Compliance – Apple will nicht, dass man alternative Stores nutzt, aber sie müssen es umsetzen.
Apple hat scheinbar Angst, dass Nutzer:innen einfach das iPhone Land auf ihr Lieblings-EU-Land festlegen. Der Apple-Account lässt sich hingegen viel besser tracen, u.a. wegen dem Zahlungsverkehr…